Super Gaus machen nicht vor Grenzen halt

Vor 31 Jahren, am 26. April 1986 ging in dem sowjetischen Kernkraftwerk in Tschernobyl ein Test gründlich schief. Reaktor 4 explodiert.

Eine radioaktive Wolke wird freigesetzt, wabert über Weißrussland, Teile Russlands, bis nach Westeuropa. Bis heute gelten ganze Landstriche als verstrahlt.

Immer noch  setzen viele europäische Länder auf Kernenergie. Der Betrieb der Kraftwerke mag sich rechnen, ein möglicher Super-GAU allerdings wird dabei nicht kalkuliert.

Ich kann mich noch gut daran erinnern. Ich steckte mitten im Abitur!

Angst und Schrecken machte sich breit, die Bedrohung war ganz nah. Es war zu einer Zeit, in der ich mich starken beim Jugendrotzkreuz engagierte. Wir machten Seminare zur Friedensarbeit, zur Gesundheit, zu allen möglichen Themen, und ebenso zur Atomkraft.

Der Film The Day After – Der Tag danach, ein US-amerikanischer Fernsehfilm aus dem Jahr 1983, der sich mit den Auswirkungen eines fiktiven Atomkriegs inmitten der USA befasst war noch ganz präsent.

Es war so weit weg und doch so nah, das machte uns Angst.

Was damals geschah, war mehr als ein Unfall – es war die nukleare Apokalypse: Ein riesiges Gebiet radioaktiv verseucht, tausende Menschen dem Tod geweiht, tausende verstrahlt. Und ein Ende nicht abzusehen, bis heute. 150.000 Quadratkilometer Land – eine Fläche größer als Griechenland – wurden so stark verstrahlt, dass rund 350.000 Menschen umgesiedelt wurden oder flüchteten. Über acht Millionen Menschen waren betroffen.

Zehn Tage lang brennt der Block.

Helfer aus der gesamten Sowjetunion wurden zu Aufräumarbeiten nach Tschernobyl geschickt, die sogenannten Liquidatoren. Ungeschützt räumten sie mit einfachen Mitteln hochradioaktive Trümmer beiseite, die auf einer der vielen Atommüll-Deponien im Umfeld landen.

40 Sekunden am Stück durften die Helfer sich an Ort und Stelle aufhalten. Bis heute ist unbekannt, wie viele Menschen damals innerhalb kurzer Zeit starben.

93.000 Menschen sind allein an Krebs in Folge der Katastrophe gestorben oder werden daran sterben. In kürzester Zeit errichtete man eine Schutzhülle aus Stahlbeton um die strahlende Ruine. Der Sarkophag wurde schon nach wenigen Jahren von Rissen durchzogen.

Zehn Kilometer um das Kraftwerk herum wird die Gegend noch für Zehntausende von Jahren unbewohnbar bleiben.

Ein Freund von mir war 11 Jahre nach dem Super-Gau vor Ort, hat mit den Menschen gesprochen. Selten hat er so viel Leid und Armut gesehen. Die Bilder haben sich eingebrannt, blasse Kinder, ein Mann der ihm unter Tränen berichtete was damals geschah und welches Glück ihm zu Teil wurde. Denn er war einer der ersten Feuerwehrmänner vor Ort. Es gab eine Explosion, einen Feueralarm und man hat erst mal einfach Wasser mit Wasser gelöscht. Noch in derselben Nacht hatte er immensen Durst, trank 14 Liter Wasser. Es folgte die Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, er verfiel in wenigen Tagen.  Doch profitierte er von einer Hilfsaktion der Amerikaner, die Knochenmarkstransplantationen vornahmen, aber ob er heute noch lebt, wissen wir nicht.

Es wird  zur Daueraufgabe für unsere Kinder, für unsere Enkel und für all unsere Nachfahren in den vielen folgenden Generationen mit diesen Schäden zu leben. Damit das nicht noch einmal geschieht, müssen wir die Atomkraft jetzt abschalten – überall auf dieser Welt!

Da kann ich mich nur wie am 11. März wiederholen:

Es liegt an uns!

Der Glaube, dass tödliche Risiken wie die Atomenergie beherrschbar sind, ist absolute menschliche Selbstüberschätzung.

Das Leben geht weiter, doch die radioaktive Verstrahlung bleibt.

Vom  AKW Grohnde  bis nach Paderborn sind es  50 Kilometer!

Nach Angaben der Initiative „Grohnde abschalten“ haben sich in dem Kraftwerk in den vergangenen Jahren mehr als 230 Pannen ereignet. Damit zählt Grohnde zu den „Störfall-Spitzenreitern“ unter den deutschen Atomkraftwerken.

Jeder Tag, den dieses AKW läuft, ist ein „Hochrisiko“ Tag.

Spricht man mit Einzelnen, ist unser Problem offensichtlich nicht die fehlende Ablehnung gegenüber der Atomkraft.

Es ist eher die  zunehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema, die wieder um sich greift. Die Erinnerung an die Katastrohe scheint zu verblassen.

Ich will am Atomausstieg festhalten!

Ich will an der Energiewende festhalten!

Hier gibt es zahlreiche Windkraftanlagen, es ist an der Zeit seinen Frieden damit  zu schließen!

Jahrelang haben wir von der Kohlekraft und Atomkraft profitiert und unseren Strom bezogen, doch zu welchem Preis?

Da schreibt jemand in meinen Facebook Account, die Windräder verschandeln die Landschaft.

Fragen wir doch mal die Menschen, die dem Tagebau weichen mussten.

Da gibt es keine Landschaft mehr.

Windräder sind in kurzer Zeit rückstandslos abzubauen,

aber,

wie wir  mit den atomaren Hinterlassenschaften verfahren sollen ist noch nicht geklärt.

Wie erklären wir das unseren Kindern, welches Erbe hinterlassen wir unseren Enkelkindern?

Der alte Spruch „Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt“ ist nach wie vor hoch aktuell und einen Planeten B haben wir auch nicht.

Die Windenergie ist mit einem Anteil von 42 Prozent an der erneuerbaren Stromerzeugung der wichtigste erneuerbare Energieträger in Nordrhein-Westfalen. Der Kreis Paderborn spielt hierbei eine  wichtige Rolle und darauf sollten wir stolz sein.

Ich nehme die Sorgen der Menschen und ihre Vorbehalte gegenüber der Windkraft sehr ernst, hier bedarf es Fingerspitzengefühl und eine gute Lösung,

Aber in welchem Verhältnis stehen diese Sorgen gegenüber den Problemen der Menschen, die durch den Tagebau betroffen sind. In den vergangenen 50 Jahren wurden 16 Orte verschluckt, 11.000 Menschen mussten ihr Zuhause aufgeben und über die Probleme bei einem atomaren Zwischenfall habe ich genug gesagt.

Super-GAUs machen nicht vor Grenzen halt.

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