German Overshoot Day

Am heutigen 5. Mai fahren wir Deutschen unser Ressourcen-Konto in den roten Bereich. Seit Jahresbeginn haben wir nämlich so viel von der Natur verbraucht, wie unser Planet pro Person innerhalb eines Jahres erneuern kann. Den Rest des Jahres leben wir quasi auf Pump. Der „Earth Overshoot Day“ markiert den symbolischen Tag, um zu veranschaulichen, wie es um unsere Erde steht. Ich kann dazu nur sagen: Das Datum ist nicht nur in Deutschland verdammt früh. Und es muss unsere Aufgabe sein, aus diesem 5. Mai einen 31. Dezember zu machen. Denn nur so verhindern wir ein globales Debakel, wenn vor allem die Industrieländer auf Kosten der armen Staaten die Kapazitäten des Planeten ausbeuten.

Um diese Marke im Jahreskalender zu verschieben, müssen wir viele  Prozesse deutlich ressourceneffizienter gestalten. Mir ist klar: Das sagt sich so einfach. Aber es hilft nichts: Wir müssen unsere Energiesysteme dekarbonisieren, CO2 durch Aufforstung binden, ressourcenschonender leben – und vor allem das fossile Zeitalter beenden.

Jeder einzelne kann dieses Ziel unterstützen. Wir könnten weniger Fleisch essen und überhaupt Lebensmittel aufbrauchen und nicht wegwerfen. Nachhaltiger reisen würde helfen. Denn grade in Deutschland tragen besonders der Verkehr und die Energieversorgung zum überschnellen Ressourcenverbrauch bei. Daher würde auch ein schnellerer Ausstieg aus der Kohle enorm helfen. Zumal das Bundesverfassungsgericht vor wenigen Tagen den Bund dazu verdonnert hat, beim Klimaschutz nachzubessern. Immerhin hat sich nun schon CSU-Chef Markus Söder in Position gebracht, mit „mehr Kohle für weniger Kohle“ den Ausstieg zu beschleunigen.

Hier habe ich noch einige Vergleichszahlen: Im vergangenen Jahr war der „Overshoot Day“ der gesamten Erde am 22. August. Wegen der Corona-Pandemie rückte er gut drei Wochen nach hinten, 2019 waren die Ressourcen der Welt schon am 29. Juli verbraucht. Übrigens: Erst seit dem Jahr 1970 übersteigt der Verbrauch der Menschheit die Ressourcen, die die Natur uns zur Verfügung stellen kann. Die USA hatten in diesem Jahr ihre Ressourcen bereits am 14. März verbraucht. Ressourcenverschwender Nummer eins ist Katar (9. Februar) vor Luxemburg (15. Februar). Nicht alle Länder haben einen Überlastungstag. Es gibt auch Nationen, die sich in ihren planetaren Grenzen bewegen und damit nachhaltig sind. Für kleine Länder ist es natürlich schwieriger, nachhaltig zu sein, denn es fehlt einfach die Fläche, auf der etwas wachsen kann. Wenn dann die Menschen noch auf großem Fuß leben wie in Katar oder Luxemburg, dann sind die Ressourcen schnell weg. Dass ein Riesenland wie die USA schon im März die Ressourcen verbraucht hat, zeigt, wie Energie- und CO2-intensiv die Menschen dort leben.

Ich halte „We #MoveTheDate“ für ein anschauliches Projekt, um die Kraftanstrengung zu bewältigen. Unter der Leitung des „Global Footprint Network“ werden zusammen mit Bürgerinitiativen, Stadtverwaltungen und der allgemeinen Öffentlichkeit Lösungen gesucht, um diese zu vervielfachen. Im Rahmen des Pilotprojektes soll beispielhaft gemeinsam mit den beiden Städten Aachen und Wuppertal gezeigt werden, welche Wirkungen die Aktivitäten von städtischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren entfalten können. Dabei sind die Städte längst noch nicht am Ziel, aber sie haben sich auf den Weg gemacht. Ich wünsche mir, dass wir dies auch in unseren Städten im Kreis Paderborn hinbekommen. Denn die Zeit drängt – und wir haben nur diesen einen Planeten.

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