TVÖD für’s MZG

Solidarität mit dem Arbeitgeber ist nicht selbstverständlich. Vielerorten finden sich Angestellte, die nur das machen, was sie unbedingt müssen – und manchmal sogar noch weniger. Bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des MZG in Bad Lippspringe ist das anders. Sie verzichteten auf Tarifzahlungen, sie verzichten auf Weihnachtsgeld. Und auf Urlaubsgeld sowieso. Sie schieben Überstunden, sie springen an freien Tagen ein. Sind auch für Notfälle in ihrer Freizeit telefonisch erreichbar. Kurz: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen vollen Einsatz. Zum Wohl der Patient*innen, aber auch zum Wohl des Arbeitgebers, als dieser viele Einbußen zu verzeichnen hatte. Doch diese finsteren Zeiten sind eigentlich vorbei. Nun ist das Unternehmen aus den roten Zahlen heraus, es investiert kräftig in die Infrastruktur. Aber ich sage „eigentlich“, weil die Mitarbeiter*innen davon nichts spüren. Investitionen müssen auch in das Herzstück des MZG getätigt werden: dem Personal. Denn nur so bekomme ich zufriedene Mitarbeiter*innen, nur so bekomme ich zufriedene Patient*innen. Und dabei spreche ich nicht von Gratifikationen oder Sonderurlauben. An dieser Stelle geht es zunächst darum, dass unsere MZGler auch das bekommen, was ihnen von Rechts wegen zusteht. Es ist diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, die mich seit Jahren – ich darf das hier so deutlich sagen – regelrecht ankotzt. Wenn dann die Mitarbeiter*innen all ihren Mut zusammennehmen und auf ihre Rechte aufmerksam machen wollen, haben sie das Gefühl, sie würden ihre Zukunft aufs Spiel setzen. „Die Furcht vor Repressalien oder anderen negativen Konsequenzen ist sehr groß“, hörte ich neulich aus den Reihen der MZGler. So eine Aussage macht mich sehr betroffen. Denn es ist das gute Recht eines jeden Angestellten, sich für seine Sache zu engagieren, ohne Angst vor Schikanen oder gar dem Arbeitsplatz haben zu müssen. An dieser Stelle sehe ich die Politik in der Verantwortung. Wir können und wir wollen diese Frage nicht nur dem Aufsichtsrat überlassen.

Wir Grünen lassen die Mitarbeiter*innen des MZG nicht im Stich. Wir lassen auch das MZG nicht im Stich. Wir machen uns dafür stark, dass alle Beteiligten rund um den Kurbetrieb das erhalten, was ihnen zusteht. Ich gebe ihnen und euch hiermit ein Versprechen: Ich werde als Grüne Politikerin und als Bad Lippspringerin dafür kämpfen, dass hier wieder mehr Gerechtigkeit einzieht. Ich mache die Mangelfinanzierung von Arbeit und die Ausbeutung von Mitarbeiter*innen, die ihre ganze Kraft in den Dienst der Heilung und der Pflege von Menschen stellen, nicht mehr länger mit. Mein Schwiegervater, ein Mitbegründer des Betriebsrates, seinerzeit noch Kursanstalten würde sich wahrscheinlich in Anbetracht der Situation im Grabe umdrehen.

„Ich zahle nicht gute Löhne, weil ich viel Geld habe, sondern ich habe viel Geld, weil ich gute Löhne bezahle“, sagte einst der deutsche Industrielle Robert Bosch. Und ich denke, diese Erkenntnis wird auch dem MZG gut tun.

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