Salto rückwärts in der Senne

Aha, jetzt auch noch der Lärm von Militärjets, die im Tiefflug über die Senne donnern und Bodenangriffe simulieren? Ist der jahrelange Gefechtslärm allein denn nicht schon schlimm genug? In aller Deutlichkeit spreche ich mich gegen die angekündigten Kampf -und Schießübungen auf dem Truppenübungsplatz Senne aus.

Es ist für mich wie ein Salto rückwärts in die Zeit der 70er und 80er Jahre. Damals war es an der Tagesordnung, dass überall in Deutschland ohrenbetäubende Tiefflieger Mensch und Tier in Angst und Schrecken versetzten. Inzwischen war es ruhiger geworden und ich muss sagen: Den Lärm vermisste ich überhaupt nicht.

Jetzt geht es aber wieder von vorne los. Paderborn, Detmold, Bielefeld, Lippstadt: Diese Städte sind für die Tornados nur einige Wimpernschläge entfernt und ich erinnere mich noch gut an die vielen Proteste, die wir vor einem Jahr hatten, als die Übungsflüge der Bundesluftwaffe in unserer Region wieder deutlich verstärkt wurden. Dass ich auch große Sorge um die empfindliche Natur habe, die jetzt nicht nur noch mit Panzern und Artillerie, sondern auch durch Jets malträtiert wird, muss ich wohl kaum noch betonen. Hier soll ein Nationalpark entstehen, der unsere Artenvielfalt erhält und als Erholungs- und Umweltbildungsraum dienen soll – und keine Luftwaffenkampfbahn.

Wie ich jüngst den Medien entnehmen konnte, hat sich das britische Militär gegen den Bau von Windrädern im Teutoburger Wald nahe der Gauseköte ausgesprochen. Kaum wird diese Entscheidung öffentlich, da sind die Jets auch schon da und sorgen für eine erhebliche Missstimmung. An einen Zufall mag ich da keine Sekunde glauben. Es ist eine Demonstration, die unter dem Deckmäntelchen der angeblichen Notwendigkeit zeigt, welche Rechte die hiesige Bevölkerung hat, wenn es um militärische Belange geht: nämlich keine.

Windräder im Wald ist immer eine schwierige Entscheidung.. Aber angesichts der immensen Trockenschäden muss man sich auch an einigen Stellen fragen: „Was für Wald?“ Auf einigen Brachen nach entsprechenden Untersuchungen Windräder zu errichten und diese zwei oder drei Dekaden zu betreiben, bis die Neuaufforstung eine gewisse Höhe erreicht hat, halte ich durchaus für denkbar und ich weiß von waldreichen Gemeinden, dass sie diesen Weg gehen wollen. Denn die Beseitigung eines Windrads dauert nur wenige Tage und hinterlässt weder riesige Abgrabungsflächen noch atomare Strahlung. Warum also keine temporäre Energieerzeugung auf einigen Waldflächen, bis sich diese wieder erholt haben?

Völlig unerträglich finde ich es angesichts der Diskussion über die geplanten Windräder nahe der Gauseköte, dass die Energiewende in Deutschland ausgebremst wird von Militärs, die offenbar Freude darüber empfinden, ihre Macht zu demonstrieren und über dicht besiedelten Gebiet Luftschläge üben lassen. Das geht auf den großen, dünn besiedelten Übungsplätzen auf Sardinien und im kanadischen Shilo deutlich einfacher. Der Tuppenübungsplatz Wittstock, Bombodrom genannt, wurde 2009 von der Bundeswehr aufgegeben. Seit 2014 wird die Siegenburg Range nicht mehr von der NATO-Luftwaffe genutzt. Aus gutem Grund, wie ich denke. Und jetzt soll ausgerechnet die Senne dafür herhalten, dass scharfe Munition verschossen oder abgeworfen wird? Der Himmel bewahre uns vor einem noch so kleinen Pilotenfehler.

Also nicht mit mir. Ich werde mit allen mir zur Verfügung stehenden Mitteln dafür kämpfen, dass in Zukunft keine Jets über die Senne donnern. Und die Panzermotoren auch eines Tages schweigen. Und dass wir dann endlich einen Nationalpark bekommen.

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