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Umsetzung der Istanbul-Konvention: Ehrgeizige Pläne im Nachbarkreis



Hier ist der von uns angefertigte Pressebericht über meinen Besuch bei der Frauenhilfe Soest. Unser Gespräch über die Planungen zum Frauenhaus waren sehr wichtig und meine innere Stimme sagt mir, dass wir uns nicht zum letzten Mal in dieser Sache gesprochen haben.


Fachgespräch zu häuslicher Gewalt


Soest. „Wir stehen auf rot“, sagt Maike Schöne, Leiterin des Frauenhauses in Soest. Das bedeutet, dass ihre Zufluchtsstätte keine Frau aufnehmen kann, die vor Gewalt flieht. Gemeinsam mit Birgit Reiche, leitende Pfarrerin der Frauenhilfe Soest und Ilona Kottmann-Fischer von den Grünen im Soester Kreistag, möchte sie dies ändern. Die 24 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einem Fachgespräch mit dem Thema „Perspektiven für Schutz und Hilfe bei häuslicher Gewalt für Frauen und Kinder im Kreis Soest“ zeigen sich nach zweistündigem Austausch kämpferisch. Möglicherweise erlebten sie die Geburtsstunde eines zweiten Frauenhauses im Kreis – mit Sitz in Lippstadt.


Zweites Frauenhaus in Lippstadt?


Viel Rückenwind für ihre Pläne erhalten die Akteurinnen von Norika Creuzmann. Die grüne Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Paderborn war über 30 Jahre im autonomen Frauenhaus Paderborn beschäftigt. Ihr gelang im vergangenen Jahr der Einzug ins den Landtag, um dort – unter anderem – ihr Engagement für eine auskömmliche Finanzierung der Zufluchtsstätten fortzusetzen. Denn der Nachbarkreis ist in der personellen wie räumlichen Ausstattung deutlich weiter. Ein guter Grund also, in den Informationsaustausch zu gehen.


Kreis Soest müsste 30 Plätze haben


Grundlage für den Ausbau bilden zwei gewichtige Faktoren, erfahren die Zuhörerinnen und Zuhörer. Zum einen regelt die Istanbul-Konvention eine verbindliche Quote: Pro 10 000 Einwohner muss ein Familienzimmer vorgehalten werden. Von dieser Ausstattung kann die Frauenhilfe Soest nur träumen: Grade einmal acht Plätze gibt es hier – wobei die Kinder, die fast immer gemeinsam mit ihrer Mutter vor der häuslichen Gewalt fliehen, nicht mitgezählt werden. „Laut Istanbul-Konvention müssten wir also 30 Plätze im Kreis Soest haben“, verdeutlicht Ilona Kottmann-Fischer. Diese aber lassen sich nicht einfach so aus dem Boden stampfen. So kam auch die vergleichsweise gute Ausstattung in Paderborn nicht über Nacht, sonders ist Ergebnis eines jahrelangen Prozesses voller Verhandlungen und auch einer wohlwollenden Stadtverwaltung. Am Anfang stand eine Bestandsanalyse. Eine solche Aufstellung legt Norika Creuzmann ihren Mitstreiterinnen ans Herz. Auf dieser Grundlage gelte es dann, Finanzmittel von Bund, Land und Kommune für Personal und Räumlichkeiten zu beantragen.


Gute Erweiterungsmöglichkeiten


Stichwort Räumlichkeiten: Auf dem Frauenhilfe-Campus steht seit sechs Monaten die Villa Kunterbunt leer. Die einstige Kindertageseinrichtung mit ihren rund 300 Quadratmetern lasse sich gut umfunktionieren, so Pfarrerin Reiche. Der voll ausgestattete Kindergarten sei ideal für einen Kinderbereich. Diesen Gedanken unterstreicht auch Norika Creuzmann: Insbesondere den Kindern müsse nach Gewalterfahrungen „ein positives Lebensgefühl vermittelt werden“, betont sie. Ihrer Erfahrung nach blühen die Kinder nämlich in Frauenhäusern regelrecht auf, endet doch in der neuen Umgebung ein oft lange Zeit ausgehaltener psychischer Druck.


„Lippstadt wäre gefragt“


16 bis 18 Plätze entsprechen aber immer noch nicht der erforderlichen Zahl von 30. Diese an nur einem Ort aufzubauen „ist nicht verantwortungsvoll“, so Norika Creuzmann. Sinnvoller wäre ein zweites Frauenhaus im Kreis Soest. Eine Steilvorlage für Pfarrerin Reiche: „Wir gehen als Träger auch nach Lippstadt, wenn es auskömmlich finanziert wird“, macht sie deutlich. In Lippstadt sei „Platz für ein großes Frauenhaus“. Und: „Lippstadt wäre gefragt“, sekundiert Annette von dem Bottlenberg, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der grünen Kreistagsfraktion.


33 Millionen Euro im Landeshaushalt


Als erstes gelte es, die Finanzierung zu klären, so Birgit Reiche. Die Frauenhilfe könne als Trägerin nur 100-Prozent-Förderungen übernehmen. Gleichzeitig wird während des Fachgesprächs deutlich, dass verschiedene Stellen unterschiedliche Summen geben. Der Kreis werde „in höhere Verantwortung gehen müssen als bisher“, kündigt Ilona Kottmann-Fischer an. Dann allerdings stelle sich die Frage nach der Kreisumlage, so die grüne Landtagsabgeordnete Dagmar Hanses. Leider gebe es keine verbindlichen Standards für Frauenhäuser. Immerhin: Die schwarz-grüne Landesregierung hat für das laufende Jahr über 33 Millionen Euro im Haushalt veranschlagt – und damit jährlich neun Millionen Euro mehr als 2020 für die dauerhafte Verstärkung und den Ausbau der landesgeförderten Hilfestrukturen.


Bezahlen für den Schutz ein No-Go


Schwer zu ertragen sei, dass die betroffenen Frauen für ihren Aufenthalt anschließend zur Kasse gebeten werden. „Dass Frauen dafür bezahlen müssen, weil sie geschlagen werden und darum Schutz suchen, ist ein No-gGo!“, so Norika Creuzmann.


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