top of page

Diese Rede hielt ich am 21.6. bei unserer LDK ...

  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Liebe Freundinnen und Freunde,

gestern haben Millionen Menschen Fußball geschaut.

Sie haben gejubelt, gefeiert, gehofft und mitgefiebert.


Doch es gibt eine Statistik, über die viel zu selten gesprochen wird:


Nach großen Fußballspielen steigt nachweislich die Gewalt gegen Frauen.


Während manche feiern, haben andere Angst davor, dass die Wohnungstür aufgeht.


Während wir über Tore sprechen, fragen sich Frauen und Kinder, wie dieser Abend endet.


Genau deshalb ist Frauenpolitik kein Randthema.

Sie ist eine Frage von Sicherheit. Eine Frage von Freiheit. Eine Frage der Menschenwürde.

Denn jede Frau hat das Recht, ohne Angst zu leben.


Und ich weiß, dass Gewalt gegen Frauen keine abstrakte Statistik ist.

Vor vielen Jahren habe ich selbst eine Frau aus unserem Frauenhaus in ein anderes begleitet. Von dort musste sie weitergebracht werden, weil die Gefahr zu groß war.

Ich erinnere mich noch an die Autofahrt.

Sie saß neben mir.

Und sie sagte einen Satz, den ich nie vergessen werde:

„Meine Familie liebt mich doch.“


Wenig später wurde sie gefunden.

Und sie wurde hingerichtet. Von ihrem Bruder.


Bis heute denke ich an diesen Moment zurück.

Weil er mich daran erinnert, dass hinter jeder Statistik ein Mensch steht.

Eine Frau mit Hoffnungen.

Mit Träumen.

Mit einem Leben, das sie noch vor sich hatte.

Deshalb dürfen wir beim Gewaltschutz niemals nachlassen.

Deshalb brauchen wir mehr Frauenhäuser, mehr Beratungsstellen und stärkete Präventionsarbeit.

Und deshalb müssen wir früher anfangen.

Bei unseren Kindern.

Kinder, die häusliche Gewalt erleben, sind nicht nur Zeugen. Sie sind Betroffene. Deshalb gehören Gewaltschutz, Kinderschutz und Gleichstellung untrennbar zusammen.

Vielleicht bewegt mich dieses Thema auch deshalb so sehr, weil ich Mutter von vier Söhnen bin.

Und ich habe immer geglaubt:

Die Art, wie wir unsere Jungen erziehen, entscheidet mit darüber, in welcher Gesellschaft unsere Mädchen leben werden.

Meine Söhne haben gelernt, dass Stärke nichts mit Dominanz zu tun hat.

Dass Respekt wichtiger ist als Macht.

Dass ein Nein ein Nein ist. Und was Zustimmung bedeutet.

Und dass Verantwortung bedeutet, nicht wegzuschauen.

Deshalb müssen wir Jungen früh vermitteln, was Gleichberechtigung bedeutet:

Respekt.

Konsens.

Verantwortung für das eigene Handeln.

Jungen und Männer sollen nicht das Problem sein.

Sie müssen Teil der Lösung sein.

Frauenpolitik endet nicht mit dem Renteneintritt.

Die Frauen, die dieses Land aufgebaut, Familien getragen und Angehörige gepflegt haben, dürfen im Alter nicht in Armut und Unsichtbarkeit landen.

Auch das ist eine Frage von Gerechtigkeit.

Deshalb kämpfen wir für wirksamen Gewaltschutz.

Für ausreichend Frauenhausplätze.

Für gleiche Chancen und wirtschaftliche Unabhängigkeit.

Für Kinder, die ohne Gewalt aufwachsen können.

Und für ein Leben in Würde – in jedem Alter.

Denn Gleichstellung ist kein Frauenthema.

Sie ist ein Demokratiethema.

Und eine Demokratie ist erst dann wirklich stark, wenn jede Frau frei, sicher und selbstbestimmt leben kann.

Dafür stehen wir.

Dafür kämpfen wir.

Und wir hören nicht auf.

Bis es für alle Frauen gilt.

 
 
 

Kommentare


bottom of page