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Familien in NRW: Was Familien stark macht – und wo Politik handeln muss

vor 10 Stunden
3 Min. Lesezeit
Wie geht es Familien in Nordrhein-Westfalen? Was funktioniert gut – und wo geraten Familien im Alltag zunehmend unter Druck? Antworten darauf gibt der neue Familienbericht Nordrhein-Westfalen 2026, der jetzt in Düsseldorf ausführlich vorgestellt und mit Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis diskutiert wurde.
Wie geht es Familien in Nordrhein-Westfalen? Was funktioniert gut – und wo geraten Familien im Alltag zunehmend unter Druck? Antworten darauf gibt der neue Familienbericht Nordrhein-Westfalen 2026, der jetzt in Düsseldorf ausführlich vorgestellt und mit Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Praxis diskutiert wurde.

Der Familienbericht liefert ein differenziertes Bild. Die gute Nachricht zuerst: Die große Mehrheit der Familien in Nordrhein-Westfalen bewertet ihre eigene Lebenssituation positiv. Familie ist für viele Menschen der Ort, an dem sie Zusammenhalt, Sicherheit und Unterstützung erfahren.

Gleichzeitig zeigt der Bericht sehr deutlich, wo die Herausforderungen liegen: wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Belastungen, Armutsrisiken, ungleiche Teilhabechancen und die weiterhin schwierige Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Besonders belastet sind Familien, die ohnehin weniger finanzielle oder zeitliche Spielräume haben.

„Familien leisten jeden Tag unglaublich viel – füreinander und für unsere Gesellschaft. Unsere Aufgabe als Politik ist es, ihnen dafür die richtigen Rahmenbedingungen zu geben. Familie darf weder zum Armutsrisiko werden noch dürfen Eltern daran scheitern, Kinder, Beruf, Pflege und Alltag miteinander zu vereinbaren. Familienpolitik muss dort unterstützen, wo Familien im täglichen Leben tatsächlich Entlastung brauchen.“


Familie ist vielfältig


Eine Stärke des Familienberichts ist für mich, dass er nicht von der einen Familie ausgeht. Familie wird heute ganz unterschiedlich gelebt: als Paar mit Kindern, alleinerziehend, als Patchwork- oder Regenbogenfamilie, als Pflege- oder Adoptivfamilie und in vielen weiteren Konstellationen.

Diese Vielfalt gehört längst zur gesellschaftlichen Realität Nordrhein-Westfalens. Familienpolitik muss deshalb unterschiedliche Lebensentwürfe anerkennen und ihre Angebote so gestalten, dass sie möglichst viele Familien tatsächlich erreichen.

Entscheidend ist nicht, wie Familie aussieht, sondern dass Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.


Vereinbarkeit bleibt eine der großen Aufgaben


Ein zentrales Thema des Familienberichts ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und hier gibt es weiterhin viel zu tun.

Wer arbeiten und gleichzeitig Verantwortung für Kinder oder pflegebedürftige Angehörige übernehmen möchte, braucht verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu gehören insbesondere eine gute und verlässliche Kinderbetreuung, familienfreundliche Arbeitsbedingungen und Beratungs- und Unterstützungsangebote, die zum tatsächlichen Alltag von Familien passen.

Vereinbarkeit ist dabei ausdrücklich keine Frauenfrage. Sorgearbeit muss zwischen den Geschlechtern gerechter verteilt werden. Wir müssen deshalb auch stärker darüber sprechen, wie Männer mehr Verantwortung für Kinder, Haushalt und Pflege übernehmen können.

Denn echte Gleichstellung erreichen wir nicht, indem Frauen immer noch mehr Aufgaben gleichzeitig bewältigen.


Besonders genau müssen wir auf Alleinerziehende schauen


Der Familienbericht macht zugleich deutlich, dass Belastungen sehr unterschiedlich verteilt sind. Ein besonderes Augenmerk müssen wir auf Alleinerziehende richten.

Wenn Einkommen, Kinderbetreuung, Erwerbsarbeit und die gesamte Sorgeverantwortung weitgehend auf einer Person lasten, wird aus einer alltäglichen Herausforderung schnell eine strukturelle Benachteiligung. Alleinerziehende sind überdurchschnittlich häufig von finanziellen Belastungen und Armutsrisiken betroffen.

Das können und dürfen wir nicht als individuelles Problem betrachten. Hier braucht es verlässliche Kinderbetreuung, gute Beratungs- und Unterstützungsstrukturen und eine soziale Absicherung, die tatsächlich bei den Familien ankommt.

Kinder dürfen nicht deshalb schlechtere Chancen haben, weil sie in einer Familie mit nur einem Elternteil aufwachsen.


Familien brauchen Zeit, Sicherheit und Teilhabe


Der Bericht zeigt außerdem, dass gute Familienpolitik weit über klassische Familienleistungen hinausgeht. Bezahlbares Wohnen, Bildung, Mobilität, eine funktionierende soziale Infrastruktur und die Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe entscheiden wesentlich darüber, wie Familien ihren Alltag erleben.

Gerade in Zeiten multipler Krisen zeigt sich, wie wichtig verlässliche Strukturen sind. Familien können viel auffangen – aber wir dürfen nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass sie jede gesellschaftliche oder wirtschaftliche Belastung zusätzlich kompensieren.

Familien zu stärken bedeutet deshalb auch, ihnen Sicherheit, Zeit und Freiräume zu geben.


Aus Daten muss Politik werden


Der Familienbericht ist für mich deshalb mehr als eine Bestandsaufnahme. Er ist ein Arbeitsauftrag.

Wir müssen genau hinschauen, welche Familien besondere Unterstützung benötigen, wo Angebote nicht ausreichend ankommen und welche politischen Rahmenbedingungen verändert werden müssen.

Dabei geht es nicht darum, Familien vorzuschreiben, wie sie leben sollen. Gute Familienpolitik schafft Bedingungen, unter denen Menschen selbstbestimmt entscheiden können, wie sie Familie leben, wie sie Erwerbs- und Sorgearbeit verteilen und welchen Weg sie gemeinsam gehen wollen.

Der Familienbericht zeigt: Viele Familien in Nordrhein-Westfalen sind zufrieden und meistern ihren Alltag mit großer Stärke. Gleichzeitig dürfen wir diejenigen nicht aus dem Blick verlieren, bei denen Zeit, Geld oder Unterstützung fehlen.

Familien sind stark. Aber ihre Stärke darf für Politik kein Grund sein, ihnen immer noch mehr aufzubürden. Unsere Aufgabe ist es, Familien den Rücken freizuhalten – damit sie Zeit füreinander haben und Kinder gute Chancen auf ein selbstbestimmtes Aufwachsen bekommen.


 
 
 

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